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Der Münchner Maler und Zeichner Hans Schnell hat exklusiv für die SZ eine Serie zu Zitaten aus literarischen Texten über München geschaffen. Als Vorlage für das heutige Bild wählte er einen Auszug aus Alfred
Anderschs 1968 erschienenen Roman Die Kirschen der Freiheit.
War (...) ein dunkler, schmutziger Frühlingstag, an dem sie Menschen in langen Reihen die Leonrodstraße in München entlangführten, in Richtung auf
das Oberwiesenfeld zu, um sie in den weiten Höfen vor den Garagenwänden des "Kraftverkehr Bayern" zu erschießen. Die erschossen werden sollten, hatten die Hände über den Kopf erhoben, vor Müdigkeit lagen
die Hände lose gekrümmt auf den Köpfen, oder die eine Hand umschloss das andere am Gelenk. Lange Kolonnen, in unregelmäßigen Trupps, immer wieder kamen welche. Die anderen, die auf sie schießen würden, hatten die
Gewehre im Anschlag. Sah das vom Balkon unserer Wohnung in einer Seitenstraße aus, aber verstand es damals noch nicht. "Das Gesindel", hörte ich meinen Vater hinter mir sagen, denn die Räterepublik war zu
Ende, aber dann zog er mich doch weg, vielleicht, weil ein Grausen ihn überfiel oder weil ein Wichtigtuer unten auf der Straße gerufen hatte: "Fenster zu! Es wird geschossen!" Sah damals mit meinem
fünfjährigen Kindergesicht über die Brüstung des Balkons hinweg auf sie hinab, aber wusste noch nicht, dass sie zum Erschießen geführt wurden, dass ich keinen von ihnen jemals kennenlernen würde.
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