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Der Münchner Maler und Zeichner Hans Schnell hat exklusiv für die SZ eine Serie zu Zitaten aus literarischen Texten über München geschaffen. Als Vorlage für das heutige Bild wählte er einen Auszug aus Arnold Zweigs Roman
Verklungene Tage von 1950:
Die kurze heftige Heiterkeit weniger Wochen durschauerte die Stadt. Ein süßes Fieber trieb die Leute tags matt umher, des Abends aber in bunte Vermummungen und fantastische Maskeraden und in jene riesengroßen Säle, die zu
klein waren für die Menge der dürstenden Hineinbegehrenden. Nur leichte Geister herrschten: Erfrischung, Vergessen und Tollheit. Sittsame Mädchen ließen sich küssen von Bekannten weniger Stunden; Frauen schmiegten sich in die
Arme fremder Männer. Inmitten der Zahllosen und des Lärmens erschlossen junge Leute einander Herz und Seele und blickten sich entzückt und bewegungslos in die Augen. Die Schnelligkeit drehender Wirbel mengte die Paare und warf
sie einander zu. Jeder, für kurze Zeit, gehörte sich selbst, konnte sich verschenken, und tat es, ohne Dank zu halten. Man ließ sich von der Musik treiben, man rechnete nicht mehr, man ward unkenntlich ... In dieser Pause des
bürgerlichen Daseins erlaubte man den Trieben Freiheit, entfesselte das bunte Getier, das sonst geknebelt lag, und tobte sich in der Maske aus, ohne Gedanken, ohne Morgen und Gestern, ohne Skrupel, nur Gegenwart, Leben, das
sich satt trinkt: ausgeschlossen blieb nur Gewalt oder Rohheit. Dann kamen die Nachmittage, in denen die "Fledermaus" des Meisters Johann Strauß auf der ernsten Hofbühne herrschte, von Mottl und den ersten
Opernkräften losgelassen. Mit ihren Walzern, dem Schwung ihrer leuchten den Partitur, versetzte sie das überfüllte Haus in lächelndes Wiegen und Schweben, einen Freudentanz, der sich hernach auf dem Bürgersteige der
Maximilianstraße fortsetzt. Und dann gipfelte alles in jenen blassen, goldenen und eiskalten Februartagen, jenen Faschingsschluß, der auf der Straße gefeiert wurde, in den die ganze Bevölkerung einstimmt und der alle
Unterschiede von Klasse, Bildung und Besitz verwehte ... Hier offenbarte sich schon ein mittelmehrnahes Volk, erzogen von menschenfreunlichem Katholizismus, - München, Deutschlands italienischste Stadt, dankbar den Kirchen, der
Kunst und dem Karneval
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